Donnerstag, 31. Oktober 2013

Madrid - Museo Nacional de Ciencias Naturales - Naturkundemuseum 23.10.2013

Aktualisiert 03.12.2013

Vorletzte Woche habe ich Freunde in Madrid besucht. An einem Tag bin ich ins Naturkundemuseum (Museo Nacional de Ciencias Naturales) gegangen.

Das Museum ist in der Nähe der Metrostation "Gregorio Marañón". Von der Metrostation "Moncloa" bin ich mit der Linie 6 zunächst Richtung "Villaverde Alto" gefahren und an der Station "Nuevos Ministerios" ausgestiegen und danach mit der Linie 10 Richtung "Puerta del Sur" eine Station weiter bis zur Station "Gregorio Marañón" gefahren. [Metro-Plan]


Aus- und Eingang zur Metro

Ich kam aus der Metro und ging direkt über die Straße Richtung Museum und fand eine Filiale der Kette "Rodilla" bei der ich günstig frühstücken konnte.

 
"Rodilla"
 
Der Eingang des Museums ist auf der linken Seite des Gebäudes, wenn man von der Calle José Gutiérrez Abascal 2 darauf zu kommt.
Öffnungszeiten:
Montags ist Werktags geschlossen, auch am 1. und 6. Januar, 1. Mai und am 25. Dezember.
Von Dienstag bis Freitag, Sonntags und Feiertags (dann auch Montags) ist von 10:00 bis 17:00 geöffnet.
Samstags und Sonntage vor einem Feiertag ist von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, aber an den Samstagen im Juli und August von 10:00 bis 15:00 Uhr.


Eingang des Museums
 


Der Eintritt kostete 6€ für Erwachsene. Ich konnte kostenlos auch meine Jacke und Tasche in ein Schließfach stecken. Den Schlüssel dafür bekam ich am Schalter beim Bezahlen. Der Schalter schließt eine halbe Stunde vor Schließung des Museums. Fotografieren ohne Blitz ist erlaubt, die meisten Kameras haben aber mit den abgedunkelten Ausstellungsräumen Probleme. Fotos mit Mobiltelefonen erreichen bessere Ergebnisse.

Zurzeit gibt es vier Ausstellungen:
  • Biodiversidad (Biodiversität)
  • Mediterráneo : naturaleza y civilización (Mittelmeer: Natur und Zivilisation)
  • El Real Gabinete de historia natural (eine Nachbildung der ursprünglichen Ausstellung des Museums zur Zeit von Carlos dem III)



Teil der Ausstellung "El Real Gabinete de historia natural"
video

  • Tesoros del Amazonas (war gerade beendet)
  • Moléculas de la Vida: 50 años de Bioquímica y biología Molecular en España (Moleküle des Lebens: 50 Jahre Biochemie und Molekularbiologie in Spanien) vom 2. 09.2013 bis 19.01.2014
Ich habe mir nur die ersten drei angesehen.

Direkt im Empfangsbereich gibt es einen Buchladen (La Tienda del Museo de Ciencias), der außerordentlich gut bestückt ist. Es gibt spanischsprachige und englischsprachige Bücher über Vögel, Ökologie, Humboldt und Dinosaurier, auch einiges über Orchideen und andere Pflanzen. Der Buchhändler mit dem Namen "America", ein Ökologe, war sehr nett und erzählte mir über eine Ausstellung, die über Humboldt und seine Amerikareise in diesem Museum gewesen war. In dem Katalog zu dieser Ausstellung sind viele Abbildungen über die Amerikanische Reise von Humboldt und Bonpland (29.08.1773 - 11.05.1858), die ich zuvor noch nicht gesehen habe.

Zunächst erzählte er mir, dass der Prado zunächst für die naturkundliche Sammlung (seit 1771) des Königs Carlos III (20.01.1716-14.12.1788). gebaut wurde, die Sammlung dann dort aber nie eingezogen ist.

Humboldt (14.09.1769 - 06.05.1859) hatte vor seiner Amerikareise den damaligen König Carlos den IV (11.11.1748 - 20.01.1819) treffen wollen um sich eine Empfehlung und Erlaubnis für den Zutritt in diese Ländereien zu erbeten. Dieser kannte Humboldt nicht, war auch nicht sonderlich an Wissenschaften interessiert und lehnte ab. Die Königin hatte aber gehört, das Humboldt sehr gutaussehend sei und war daher interessiert ihn zu treffen. So erhielt er eine kurze Audienz im Garten und bekam auf Grund seines Charmes die ersehnte Empfehlung.

Humboldt selbst erwähnt die Königin in seinem Band "Die Forschungsreise in den Tropen Amerikas" [Darmstädter Ausgabe II-1, Kapitel 1, Seite 25-26] nicht:
Als ich in Madrid ankam, hatte ich bald Ursache, mich über den Entschluß, die Halbinsel zu besuchen, zu beglückwünschen. Der Baron von Forell, sächsischer Gesandter am Hofe Spaniens, schenkte mir seine Freundschaft, die mir unendlich nützlich wurde. Er vereinigte ausgebreitete Kenntnisse in der Mineralogie mit dem reinsten Interesse für Unternehmungen, die geeignet sind, die Erweiterung unserer Kenntnisse zu fördern. Er ließ mich ahnen, daß ich unter der Administration eines aufgeklärten Ministers, des Chevalier Don Mariano Luis de Urquijo, hoffen könnte, die Erlaubnis zu erhalten, auf meine Rechnung das Innere des spanischen Amerikas zu bereisen.
Nach allen Widerwärtigkeiten, die ich erfahren hatte, zauderte ich keinen Augenblick, diese Idee zu verfolgen.



Ich wurde im März 1799 dem Hofe von Aranjuez vorgestellt. Der König würdigte mich einer gütigen Aufnahme. Ich setzte ihm die Gründe auseinander, um derentwillen ich eine Reise in die Neue Welt und nach den Philippinen antreten wollte, und überreichte dem Staatssekretariat eine Abhandlung über diesen Gegenstand. Der Chevalier d'Urquijo unterstützte meine Bitte, und es gelang ihm, alle Hindernisse zu beseitigen. Das Verfahren dieses Ministers war um so großmütiger, als ich in keinen persönlichen Verhältnissen mit ihm stand.

Der Eifer, den er fortdauernd für die Ausführung meiner Pläne zeigte, hatte keinen anderen Grund als seine Liebe zu den Wissenschaften. Es ist ebensowohl Erfüllung einer Pflicht wie Vergnügen für mich, in diesem Werke das Andenken an die Dienste, die er mir leistete, hochzuachten.

Ich erhielt zwei Pässe, einen von dem ersten Staatssekretär, den anderen vom Rat von Indien. Nie wurde einem Reisenden unumschränktere Erlaubnis bewilligt, nie wurde ein Fremder mit mehr Zutrauen von der spanischen Regierung geehrt. Um jeden Zweifel, den die Vizekönige und Generalkapitäne, welche die königliche Gewalt in Amerika repräsentieren, über die Natur meiner Beschäftigungen erheben könnten, unmöglich zu machen, lautete der Paß der primera secretaria de estado, ich hätte das Recht, mich frei aller meiner physikalischen und geodätischen Instrumente zu bedienen; ich könnte in allen spanischen Besitzungen astronomische Beobachtungen machen, die Höhe der Berge messen, die Produkte des Bodens sammeln und alles vornehmen, was ich für die Fortschritte der Wissenschaften für möglich hielte. Diese Befehle des Hofs wurden genau befolgt, selbst nach den Ereignissen, die Herrn d'Urquijo nötigten, das Ministerium zu verlassen. [Er wurde nach Bilbao ins Exil geschickt] Von meiner Seite suchte ich den Beweisen einer derart beständigen Teilnahme zu entsprechen. Ich teilte während meines Aufenthalts in Amerika den Gouverneuren der Provinzen Doubletten der Naturalien mit, die ich gesammelt hatte und welche, die die Hauptstadt interessieren konnten, indem sie einiges Licht über die Geographie oder Statistik der Kolonien verbreiteten.

Dem Versprechen gemäß, das ich vor meiner Abreise gegeben hatte, schickte ich mehrere geologische Sammlungen dem Naturalienkabinett zu Madrid. [Das jetzige Museo Nacional de Ciencias Naturales] Da der Zweck unserer Reise rein wissenschaftlich war, so glückte es Herrn Bonpland und mir, uns das Wohlwollen der Kolonisten wie der Europäer zu erwerben, die mit der Verwaltung dieser großen Ländereien beauftragt waren. Während der fünf Jahre, in denen wir den Neuen Kontinent durchwanderten, bemerkten wir nie das geringste Zeichen von Mißtrauen. Es ist mir eine süße Erinnerung, daß wir unter den schmerzlichsten Entbehrungen und im Kampf mit Hindernissen, die der wilde Zustand dieser Länder hervorruft, uns nie über die Ungerechtigkeit der Menschen zu beklagen hatten.

America berichtete, dass Humboldt und Darwin in brieflichem Kontakt gestanden hätten und Darwin wohl gemeint hätte, Humboldt würde sehr viel reden. Das fand ich bestätigt in einem Artikel über das Verhältnis von Darwin und Humboldt der Internationalen Zeitschrift für Humboldt-Studien.

AvHumboldt


"America" erzählte auch über das erst kürzlich im Haus gefundene Ölgemälde von einem Großen Ameisenbären von Goya (30.03.1746 - 16.04.1828), auch Osa Palmera genannt.

Erst am 3. Oktober 2011 wurde bekannt, dass in diesem Naturkundemuseum ein Ölgemälde von Goya gefunden wurde.
Hinter einem Vorhang wurde zunächst ein sehr verschmutztes, 105x209cm großes Ölgemälde entdeckt. Es musste gereinigt und restauriert werden um überhaupt erkennen zu können was darauf abgebildet ist. Nach der Säuberung kam die Abbildung eines Großen Ameisenbäres hervor. Es war ein weibliches Tier, das dem König Carlos dem III aus Argentinien geschenkt wurde, das aber nur einige Jahre aufgrund der europäischen Winter überlebte. Es war aber der erste lebende Ameisenbär zu der Zeit in Spanien. Als absehbar war, dass das Tier die Winter nicht überstehen würde wurde das Gemälde beauftragt. Der derzeitig beim König angestellte Maler Mengs weigerte sich aber wohl, ein Tier zu malen. Der noch sehr junge und noch unbekannte Goya hat dann diesen Auftrag übernommen. Während der Säuberung und Restaurierung des Gemäldes in 2011 erkannte ein zufällig anwesender Goya-Spezialist die Malweise von Goya.

Es hing in der Ausstellung "El Real Gabinete de historia natural", war bei meinem Besuch aber gerade abgehängt, da eine weitere Ausstellung im Prado geplant ist, die in Kürze dort eröffnet werden soll.
Ich fand nur noch die Beschreibung zu dem Bild:


Die Ameisenbärin ihrer Majestät, 1776
Francisco de Goya y Lucientes, Öl auf Leinen, 105 x209 cm
Der Große Ameisenbär Myrmecophaga tridactyla, L. bei den Eingeborenen bekannt als ñuramí oder yurumí (kleiner Mund auf guaraní) erreichte den Hafen von Cádiz, gesendet aus Buenos Aires, am 7. Juni 1776 auf der Handelsfregatte Victoria.

In den ersten Tagen des Julis desselben Jahres wurde es dem König Carlos III im Palcio Real in Madrid präsentiert. Der Monarch entschied es in den Park "Buen Retiro" [damals der Park des Königs der zur Erholung diente] zu verbringen, aber das Tier starb am 31. Januar 1777, sieben Monate seit seiner Ankunft im Raubtier- oder Löwenhaus. Sofort wurde es in die naturhistorische Sammlung aufgenommen und vom Präperator Francisco Eguía getrocknet, auch wenn es dabei nicht konserviert wurde und der Verbleib unbekannt ist.

Carlos III beauftragte ein Bildnis des Ameisenbärs bei Antonio Rafael Mengs, erster Maler der Kammer, der den Auftrag zur Umsetzung an Francisco de Goya weitergab. Das Werk ging in die Sammlung des königliches Kabinetts [Real Gabinete] ein, der Vorläufer des heutigen Naturkundemuseums [Museo Nacional de Ciencias Naturales].

Auch wenn das Gemälde nicht signiert ist, die Hand Francisco de Goyas, mit seinem damaligen Stil, kann an diesem Bild in der Farbgebung und insbesondere der Lichtgebung, die links wie in seinen Kartonzeichnungen für Tapeten horizontale Schatten wirft, erkannt werden. Aber auch in der Landschaft, seine Interpretation und die Details, das weiße Oberlicht, welches zu blau wird und die Art diese zu malen. Das Festhalten der Hügel am Horizont, abwechselnde Farben in blau-grauen Tönen, Grün und Ocker, die Bäume in der Talmulde und das dabei auf sie auftreffende Licht ist in weiteren Werken des Malers aus Fuendetodos präsent. Die facettenartige Handhabung bei den Steinen und dem kleinen, rechteckigen Bau, erscheint in mehreren Kartons für Tapeten. Alle diese Elemente haben keine Verbindung zu anderen Malereien anderer Maler der Epoche.

Das Bild ist hier zu sehen.

In Venezuela auf dem Rückweg vom Tafelberg Roraima haben wir einen Großen Ameisenbär  (Myrmecophaga tridactyla) gesehen. Bis der Jeep aber gehalten hat und wir durch die Fenster genauer sehen konnten, war das Tier in großem Galopp schon im hohen Gras verschwunden. Auf dem Hinweg nach Roraima hatte ich nur große Termitenhügel gesehen, die ein Großer Ameisenbär mit den großen Krallen aufgebrochen hatte um die Insekten zu fressen. Das Tier kann gefährlich werden, wenn man es in die Enge treibt. Dann richtet es sich auf und greift mit den beiden vorderen Krallen an. Aufgrund der Größe (Körperlänge 1-1,3m) kann das Ganze böse ausgehen.


Ausstellung Biodiversität
 
Ausstellung Biodiversität


"Cachicamo" Neunbindengürteltier, Dasypus novemcinctus


Wickelbär, Potos flavus


Arapaima sp.


verschiedene tropische Insekten

Afrikanischer Elefant, Loxodonta africanus


Afrikanischer Elefant, Loxodonta africanus


Unechte Karettschildkröte, Caretta caretta


Flamingo, Phoenicopterus ruber

In der Ausstellung Mediterráneo : naturaleza y civilización (Mittelmeer: Natur und Zivilisation) war eine große Rekonstruktion eines Architeutis sp. aufgestellt.

 
 

 Vor Malaga hatte man am 27. Juni 2001 ein weibliches, junges Exemplar gefangen, das hier in Formol ausgestellt wurde.

Architeutis sp. junges weibliches Exemplar
 Die Gesamtlänge beträgt 7,5m und das Gewicht 65kg.


Architeutis sp., Auge


Architeutis sp., Detail der Endes des Greifarms mit den Saugnäpfen



 

 

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