Montag, 25. März 2013

Regenbogenboa - Epicrates cenchria - Boa arcoiris 10.06.2012

Aktualisiert am: 25.03.2013

Im letzten Jahr hörte ich ein Bellen der Hunde spät am Abend, das sich anders anhörte als sonst, es mischte sich etwas wie Angst in das Bellen. Es war schon dunkel und ich sah aus dem Fenster in den Hof und sah eine Schlange im Licht der Glühbirne. Ich habe sofort die Kamera geschnappt und eine Schaufel. Unten schickte ich die Hunde weg und sah dann sofort das es sich um eine Boa handelte. Ein Jungtier, wunderschön, gesund und schillernd. Diese Schlangen sind Würgeschlangen und für den Menschen nicht giftig. Dieses Exemplar war zudem relativ klein (auf dem Bild sieht man ein sehr großes, gelbes ca. 40cm langes Mangoblatt zum Vergleich. Ich überlegte was ich mit der Schlange mache und ob ich es schaffen würde sie bis zum Fluss zu bringen. Zunächst blieb sie ganz ruhig, keine Angriffsposition, ich hatte genug Zeit sie zu fotografieren. Als ich versuchte sie vorsichtig auf die Schaufel zu nehmen um sie transportieren zu können, schlang sie sich wieder auf den Boden. So 'schupste' ich sie ein wenig, damit sie sich in den Mangoblätterhaufen verstecken konnte. Diese Boas ernähren sich von Mäusen und Ratten und davon gibt es in der Waschküche genug.



Einige Tage später zeigte mir der Nachbar eine Schlange, es war auch eine kleine Boa, er hatte sie totgeschlagen weil er glaubte es handle sich um eine Giftschlange. Im Zweifel wird hier zunächst alles totgeschlagen, bevor sich vergewissert wird, um was für ein Tier es sich überhaupt handelt. In Venezuela sind 80% aller Schlangen ungiftig! Die meisten Unfälle passieren, weil der Mensch versucht die Schlange anzufassen, oder die Schlange keine Möglichkeit mehr hat sich zurückzuziehen.

Es folgt der Steckbrief:

Epicrates cenchria
Syn: Boa cenchria, Epicarsius cupreus, Epicrates cenchris (1); weitere(2)
Stamm: Vertebrata
Klasse: Reptilia (Reptilien)
Ordnung: Squamata (Schuppenkriechtiere)
Unterordnung: Serpentes (Schlangen)
Familie: Boidae (Boas)
Unterfamilie: Boinae (Boaschlangen)

Es kommen in Venezuela zwei 'Unterarten' vor:
Epicrates cenchria cenchria (teilweise als Epicrates cenchria(3),7)
Epicrates [cenchria] maurus (jetzt als Epicrates maurus(3),7) [Die Unterart Epicrates cenchria maurus wurde 2008 zu einer eigenen Art, zu Epicrates maurus, erhoben(2)]

Spanisch: Boa arcoiris, Boa tornasol Gremon
Englisch: Rainbow boa
Deutsch: Regenbogenboa, Rote Regenbogenboa(2)
Portugiesisch: Jiboia-vermelha
Französisch:




Verbreitung:
Epicrates cenchria:
Argentina (1), (2), 3
Brasilien
(1), (2)
Bolivien
(1), (2) 3
Costa Rica
(1), 3
Ekuador3
Panama(1), (2), 3
Franz. Guiana(1), (2), 3

Guayana3
Kolumbien(1), (2), 3
Paraguay(1), 3
Peru(1), (2), 3

Surinam3
Trinidad und Tobago(1), (2), 3
Venezuela(1), (2), 3: Barinas (Municipio Rojas: Hato San Pancracio, Santa Rosa).6, Merida(1), (2) , Portuguesa (Municipio Papelón: 20–40 km (Strasse) SO Guanare auf der Guanare-Guanarito Strasse no.8)6


Epicrates cenchria cenchria:
Kolumbien 3
Ekuador 3
Franz. Guiana 3
Guayana 3
Surinam 3
Venezuela 3: Amazonas7, Bolivar7(Auyantepui, El Dorado)9, Monagas (Caripito)9

Epicrates [cenchria] maurus :
Costa Rica(2)
Kolumbien3
Franz. Guiana3
Panama(2)
Trinidad und Tobago3
Venezuela3: Aragua7 (Maracay, Boca del Río, El Limón, San Rafael)9, Amazonas7, Anzoategui7, Apure7, Barinas, Bolivar7 (Parque Nacional Canaima)10, Carabobo7(Morón, Hacienda Mozanga, Valencia)9, Cojedes7, Districto Federal7(El Avila, Camurí Chico, Caracas, Macuto, Puerto la Cruz, Valle del Muerto, Tacagua)9, Delta Amacuro7(Delta Orinoco)9 , Falcón7, Guárico7(Espino, El Sombrero)9, Lara7, Mérida7, Miranda7(Baruta, Caracas: Altamira, Urb. Country Club, Los Dos Caminos; Sambucán, Caucagua, Turgua, Hatillo, Los Canales, Naiguatá, Santa Lucia, Santa Teresa del Tuy)9, Monagas7, Nueva Esparta7(Isla Margarita: El Agua, Boca del Río, Salamanca)9, Portuguesa,7 Sucre7, Táchira7, Trujillo7, Yaracuy7(Urama)9, Vargas7, Zulia7(Sierra de Perijá)9


 


Die Verbreitung in Südamerika wurde für Epicrates cenchria erstellt und enthält auch die erst ab 2008 getrennt behandelte Art Epicrates maurus.

Epicrates cenchria cenchria
Für die Verbreitung in Venezuela wurden die in Barrios-Amorós et al.(2008)1, Markezich (2002)9, Roze (1966)9, und Rivas et al. (2012)12 genutzten Verbreitungskarten getrennt für Epicrates cenchria und Epicrates maurus kombiniert. Nach Rivas et al. (2012)12 kommt keine der beiden Arten direkt an der Küstenlinie Venezuela vor, aber Epicrates maurus durchaus auf Inseln.
Epicrates maurus

 
Habitat:
Epicrates cenchria ist im Süden und einem Teil im Osten von Venezuela verbreitet.(3) Die Art lebt auf dem Boden und schlingt sich in Bäume und Sträucher (semiarborical).(3) Epicrates cenchria cenchria kommt bis 1000m vor und bevorzugt feuchte Gebiete.9
Für Epicrates maurus ist bekannt, dass er ein Bewohner der offenen Habitate, Savannen und Trocken-Galleriewälder in Venezuela ist, aber selten oder nie in Regenwäldern vorkommt, wobei Epicrates cenchria cenchria hauptsächlich Tiefland-Regenwälder bewohnt. Trotzdem können beide Arten in Saumbiotopen sympatrisch (gemeinsam) vorkommen.1
Epicrates maurus ist fast in allen Landesteilen Venezuelas verbreitet, die tief gelegen und heiß sind, insbesondere in Norden.(3) In "Los Andes de Venezuela" wurde Epicrates maurus in stacheligen Büschen gefunden.4

Beschreibung:
Bei beiden Arten/Unterarten (Epicrates cenchria cenchria und Epicrates maurus) sind:
  • Kopfschuppen glatt (3)
  • die Nasalschuppe getrennt (3)
  • Rostralschuppe von oben sichtbar (3)
  • Analschuppe einfach(3)
  • Rückenschuppen (dorsale) klein, hexagonal, glatt(3)
  • ausgewachsene Exemplare sind auf der Unterseite gleichmäßig cremfarben3
Epicrates [cenchria] maurus: nur diese Art zeigt:
  • Kopfschuppen etwas größer als die Rückenschuppen (dorsales)(3)
  • Rostralschuppe trapezförmig(3)
  • Lorealschuppe länglich(3)
  • 1 preoculare und 4 postoculare Schuppen(3)
  • 11 bis 13 supralabiale und 13 bis 16 infralabiale Schuppen(3)
  • 47-61 subcaudale Schuppen(3)
  • Rückenschuppen in 45-53 Reihen angeordnet (in der mittleren Körperlänge)(3)
  • Adulte (ausgewachsene) Exemplare sind dorsal gleichmäßig gefärbt, die Flecken sind ähnlich wie der Körper gefärbt3
  • 255-250 Bauchschuppen (Ventralia)3
  • wird ausgewachsen 1,50m bis 2,00m lang(3)
Epicrates cenchria cenchria: nur diese Unterart zeigt:
  • Kopfschuppen klein und heterogen (unregelmäßig)(3)
  • Lorealschuppe groß(3)
  • 2 preoculare und 3 bis 5 postoculare Schuppen(3)
  • 11 bis 15 supralabiale und 14 bis 17 infralabiale Schuppen
  • 56-66 subcaudale Schuppen(3)
  • Rückenschuppen in 43-51 Reihen angeordnet (in der mittleren Körperlänge)(3)
  • Adulte (ausgewachsene) Exemplare sind dorsal mit deutlich sichtbaren Ocellarflecken versehen3
  • 255-275 Bauchschuppen (Ventralia)3
  • wird ausgewachsen bis 1,50m lang(3)
Für die bei Schlangen verwendeten Fachbegriffe der Kopf- und Körperschuppen zur Identifizierung und Unterscheidung von Arten gibt es in Wikipedia einen sehr guten Artikel [de] mit entsprechend hilfreichen Abbildungen.

Aufgrund der Fotos in Navarete7 und der dort angegebene Verbreitung, denke ich, dass es sich bei dem von mir in Mariara gefundenen Exemplar um Epicrates maurus handeln könnte. Sicher bin ich mir nicht, da die Färbung und die Ausprägung der Zeichnung in diesem Unterarten sehr vielfältig ist und es Überlappungen beider Arten/Unterarten in ihrer Verbreitung in Venezuela gibt. Es handelte sich auch um ein junges Tier bei dem die Färbung noch sehr intensiv ist.

Nahrung:
Epicrates cenchria wie Epicrates maurus ernähren sich von Ratten und Mäusen, teilweise auch Vögel.(3)

Feinde:
Wie oben schon beschrieben ist es wohl der Mensch selbst, der durch Unwissenheit alles totschlägt, was er irrtümlich für giftig oder gefährlich hält. Prinzipiell können größere Raubvögel als ihre Feinde betrachtet werden.

Reproduktion:
Beide Arten sind lebendgebährend.(2) Epicrates cenchria wird mit drei Jahren geschlechtsreif, Epicrates maurus mit zwei bis zweieinhalb Jahren.(3)

Sonstiges:
In Laborversuchen mit Epicrates cenchria maurus wurde der Kanibalismus von Weibchen an ihren Totgeborenen oder unbefruchteten Eiern untersucht. Als Grund dafür wird einmal vermutet, dass das sofortige Auffressen der Hygiene und damit dem Schutz vor Krankheiten der überlebenden Brut dient und weiter dass die in den Totgeburten enthaltenen Nährstoffe nicht verlorengehen und dem Weibchen so wieder zugeführt werden können.5
Von Epicrates maurus weis man, dass sie [dämmeraktiv4] nachtaktiv ist und sich langsam fortbewegt.(3) Beide Arten sollen sehr agressiv sein4, was ich bei dem Exemplar im Hof nicht behaupten kann. Obwohl ich sie vorsichtig mit der Schaufel versuchte aufzunehmen, hat sie keine Angriffszeichen angezeigt und ist mir langsam von der Schaufel geglitten um in den Mangoblättern zu verschwinden.(3)

!:
IUCN 2013: nicht enthalten; Libro Rojo de la Fauna Venezolana (2003)8: Nicht enthalten, CITES Anhang: II

Referenzen:
1Barrio-Amorós C.L. & Días de Pascual A. (2008): Reptilia, Boidae, Epicrates cenchria cenchria: Distribution extension; Check List 4(3):244-247, ISSN: 1809-127-x unter http://www.checklist.org.br/getpdf?NGD305-08 abrufbar [en]
2Gremone C. et. al. (1984?): Fauna de Venezuela - Vertebrados, Editorial Biosfera, ISBN 980-210-011-0 (S. 139) [es]
3Kornacker, P. M. (1999): Checklist and key to the snakes of Venezuela / Lista sistemática y clave para las serpientes de Venezuela. PaKo-Verlag. 270 pp. ISBN 9783980624008; (Bestimmungsschlüssel und Fotos.) (S. 34) [en, es]
4La Marca, E. y P.J. Soriano (2004): Reptiles de Los Andes de Venezuela. Fundación Polar, Conservación Internacional, CODEPRE-ULA, Fundacite Mérida, BIOGEOS. Mérida, Venezuela. 163 pp. ISBN 980-379-083-8 (vergriffen) (S. 85) [es]
5Lourdais O., Brischoux F., Shine R., Bonnet X. (2005): Adaptive maternal cannibalism in snakes (Epicrates cenchria maurus, Boidae); Biol. J. Linnean Soc., 84:767-774 unter http://www.cebc.cnrs.fr/publipdf/2005/LBJLS84.pdf abrufbar [en]
6Markezich A.L.(2002): New Distribution Records of Reptiles from Western Venezuela; Herp. Rev. 33(1): 69-74. [en]
7Navarrete, L. F., J. C. López Johnston y A. Blanco Dávila. (2009): Guía de las Serpientes de Venezuela Biología, venenos, conservación y listado de especies. Gráficas Lauki. 75 pp. ISBN 978-980-12-3624-5 (Tabelle S. 56) [es] vergriffen
8Rodríguez, Rojas-Suárez (2003): Libro Rojo de la Fauna Venezuelana (2nda Ed.), PROVITA ISBN 980-04-4572-6, Fundación Polar ISBN 980-6397-61-4 (S. -) [es]
9Roze, J. (1966): La Taxonomia y Zoogeografia de los Ofidios en Venezuela. Ediciones de la Biblioteca UCV. 362 pp. (S. 62ff) [es] online nur lesbar, nur abrufbar nach Registrierung, unter http://issuu.com/reptiven/docs/libro_janis_roze [es]
10Señaris J.C., Lew D., Lasso C. (Eds.)(2009): Biodiversidad del Parque National Canaima, Fundación La Salle de Ciencias Naturales, Caracas, ISBN 978-980-7990-07-0 (Tabelle. 4.1, S.109) [es]
11Rivera P.C., Di Cola V., Martínez J.J., Gardenal C.N., Chiaraviglio M. (2011): Species Delimitation in the Continental Forms of the Genus Epicrates (Serpentes, Boidae) Integrating Phylogenetics and Environmental Niche Models; PLoS ONE 6(9): e22199. doi:10.1371/journal.pone.0022199 abrufbar unter http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0022199 [en]
12Rivas G.A., Molina C.R., Ugueto G.N., Barros T.R., Barrio-Amorós C. L., Kok P.J.R. (2012): Reptiles of Venezuela: an updated and commented checklist; Zootaxa 3211:1-64; ISBN 978-1-86977-868-2, abrufbar nach Registrierung unter http://www.academia.edu/1459595/Reptiles_of_Venezuela_-_an_updated_and_commented_checklist_2012_

Web:
http://www.catalogueoflife.org/col/details/species/id/4461635/source/tree (1) [en]
http://reptile-database.reptarium.cz/species?genus=Epicrates&species=cenchria&search_param=%28%28genus%3D%27Epicrates%27%2Cexact%29%28species%3D%27cenchria%27%2Cexact%29%29 (2)[en]
http://serpientesdevenezuela.net/sdv_espanol/index.html (3) [es]

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